Literarisches Fastfood

Lese gerade die aktuelle #Federwelt Ausgabe 141. Von der „Vielschreiberei“ ist da die Rede. Klingt mir beinahe wie ein Hochlied auf das massenhafte Bücher auf den Markt schmeißen. Klingt beinahe wie literarisches Fastfood. Vergleichbar vielleicht mit jenen Skulpturen die in massenhafter Weise auf jedem Marktplatz der Republik zu finden sind. Ich spreche von den schweren Steinkugeln, die durch den Wasserdruck von unten leicht angehoben werden und drehbar sind. Sicherlich schön anzuschauen. Aber, ist das nun Massen-Design oder individuelle Kunst?

Wenn ich im Gegenzug dazu bedenke, dass ich an meinem aktuellen Buch inzwischen schon wieder gut 8 Wochen mit Recherchen, Plot und Expose verbracht habe. Dann die Freude, die Charaktere zu entwickeln und plastisch werden zu lassen. Gerade eben ist die Roadmap, so nenne ich meinen exakten Fahrplan mit allen Etappen fertig geworden. Zwar habe ich schon einige Seiten Text parallel geschrieben, doch ziehen noch einige Monate ins Land, bis der Rohtext steht. Danach werde ich einige Male durch den Text gehen, ihn verfeinern, Stränge miteinander verbinden und die Dramaturgie steigern. Es ist wirklich vergleichbar einer Skulptur. Am Ende werden die Feinheiten die Besonderheit hervorheben. Oder wer lieber ein Genussmensch ist: es ist, wie einen guten Wein zu zaubern. Das braucht seine Zeit! Auch lasse ich mein Werk einige Wochen zwischen den Durchgängen ruhen, bis ich nochmals mit etwas Distanz drüber gehe. Dann erst darf die Reise zur Lektorin angetreten werden. In dieser Phase spielen wir einige Male Pingpong, bis die Korrektorin ins Spiel kommt. Erst wenn diese weiteren Monate vergangen sind, kann man mal an die Endredaktion und ans Coverdesign gehen.

Ich kann verdammt schnell schreiben. Vor allem, wenn die Struktur und die Basisarbeiten sorgfältig vorgenommen wurden. Zumeist schreibe ich nieder, was sich Stunden und Tage zuvor in meinem Kopf fantasievoll entwickelt hat. Das ist es nicht. Aber, die Zeit hilft, alles sorgfältig und mit genügend Abstand zu gestalten.

Mögen die Vielschreiber Freude an ihrem Tun haben. Es gibt ja auch Menschen, die dauerhaft zu den Fastfood-Geschäften gehen. Meins ist es nur hin und wieder. Ich möchte das Einzigartige, das Besondere und Individuelle. Der Stil darf gerne kantig und ungewöhnlich sein, wenn damit die Geschichte in besonderer Weise transportiert werden kann.

Ein Buch pro Jahr reicht mir vollkommen. Das ist genau richtig und wertig. Für einen einzigartigen Genuss.

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