„Und wenn ich Morgen sterbe, dann wirst du wissen,…“

„… es geschah mit einem Lächeln im Gesicht…“
Dieser eine Satz prägte mich mein ganzes bisheriges Leben. Und gerade jetzt kommt er mir wieder in den Sinn. In diesen Tagen, mit diesem winzigen Virus, das uns allen so zusetzt. Den Spruch äußerte eine sympathische Dame vor vielen Jahren auf dem Flug von Atlanta in Richtung San Francisco, als ich sie fragte, ob sie wegen der angekündigten schweren Erdbeben keine Sorgen hätte. „Nein,“ sagte sie: „ich werde jeden Tag bis dahin genießen und mich darüber freuen.“ Warum solle sie sich das Leben schwer machen? Ihre Unbeschwertheit steckte mich an und prägt seither meine eigene Einstellung. Wir sollten trotz aller Bedrohungen auch auf uns und unsere eigene innere Gefühlswelt achten. Wenn wir psychisch gestärkt und nicht mit Angst und Hysterie der aktuellen Situation begegnen, dann bietet das eine gute Ausgangssituation, da hindurch zu kommen. „Und wenn es Morgen geschieht, dann weißt Du, dass ich mit einem Lächeln im Gesicht gestorben bin.“ Ja, die gute Dame hat mich beeindruckt. Und ich bin überzeugt, sie lebt noch heute im schönen Kalifornien.

Die ganze Welt ist ja gerade vollkommen am Entschleunigen. Wer hätte das gedacht, dass es so etwas gibt. In China sinkt die Luftverschmutzung rapide, in Triest trauen sich plötzlich wieder Delfine in den Hafen, der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert sich extrem. Und wir? Nutzen wir die Verlangsamung unserer Welt? Unser Bundespräsident sagte kürzlich – genauso wie viele andere Menschen auch – die Welt würde nach Corona eine andere sein, als zuvor. Doch was wird sich wirklich ändern? Werden wir daraus gelernt haben? Werden wir die Dinge unseres Alltages anders gewichten? Werden wir unsere Wirtschaftswelt und Profitsucht ändern? Ich fürchte nein. Nun denn, die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt.

In einer Sache habe ich mich aber gründlich geirrt!!! Ich bin immer davon ausgegangen, dass ein gemeinsamer Feind eint. Diese Überzeugung spielt auch einen wichtigen Part im dritten Band meiner Paul Reimer Saga, „Der Flug des Zitronenfalters.“ Doch was geschieht mit dem globalen Feind Corona-Virus? In Zeiten dieser globalen Krise verfallen wir in Kleinstaaterei. Wer hätte das gedacht? Ich will nicht in Details verfallen, alle kennen die Geschehnisse, die im Frühjahr 2020 begannen. Mir geht es um die Frage, ob wir wieder zueinander finden und erkennen, dass wir gemeinsam nicht deutlich mehr erreichen könnten.

Zuguter letzt hat man beinahe das Gefühl, sich bei den Eltern- und Großelterngenerationen entschuldigen zu müssen. Dafür, dass wir die Kriegs- und Nachkriegsgeschichten beinahe belächelt hatten. So gut wie Niemand von uns hatte sich je die Mühe gemacht, sich darüber Gedanken zu machen, wie es damals wirklich war, als das Leben zu jedem Zeitpunkt bedroht wurde, Nachts die Sirenen heulten, die Nahrungsmittel zum Luxus wurden und Hunger an der Tagesordnung war. Heute aber verfallen wir in Hysterie und räumen die Regale der Lebensmittelgeschäfte leer. Jetzt können wir einen kleinen Hauch davon erahnen, wie es wohl Damals war. Und noch eine Lehre aus diesen schlimmen Zeiten: es ging immer irgendwie weiter. Die Menschen mussten bei der Stunde Null beginnen und haben es geschafft. Merken wir uns das, wenn wieder apokalyptische Reiter durch die Gassen ziehen und vom Niedergang der Wirtschaft und dem Ende der Welt künden: es gab deutlich schlimmere Zeiten, in denen die Menschen sehr viel mehr verloren haben und dennoch richteten sie sich wieder auf und schafften es , die Welt zu erbauen, in der wir groß werden durften.

Verlieren wir nie die Hoffnung.

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