Chronik einer Premierenlesung

Die Uhr zeigt 18:30 h an – an diesem 21. November 2019.
Ich blicke im leeren Saal umher. Noch eine Stunde bis zur Lesung. Haben die Veranstalter nicht zu viele Stühle aufgestellt? Hätte man weniger nehmen sollen und die anderen eher in Reserve halten? Ich gebe zu, ich bin etwas aufgeregt. Mein Blick wandert auf den vorderen Büchertisch. Das Cover des neuesten Buches blickt mir drei-dutzendfach entgegen. Alle werden am Ende des Abends verkauft sein. Mehr noch, ich werde kräftig nachbestellen müssen. Doch das weiß ich in dem Moment noch nicht. Gut zwei Jahre sind vergangen, seit mich dieses Thema der Schwabenkinder fand. Unzählige Stunden an Arbeit von mir, dann später von meiner Lektorin und der Korrektorin, wie auch den Grafikern sind seither mit intensiver Arbeit am Werk vergangen. Dann zum Schluss der etwas mühevolle Weg mit dem Verlag bis zur Veröffentlichung. Doch es hat sich gelohnt: die Qualität des Covers und Drucks stimmt. Ob der Inhalt stimmt?

19:00: Die Türen öffnen sich. Erste Gäste trauen sich herein. Wieviele werden es wohl werden? Zehn, zwanzig, mehr? Ab wann bin ich zufrieden? Ich lenke mich ab und beginne anregende Gespräche. Wir tauchen ein in die Geschichte der Schwabenkinder.

Ich darf gar nicht verraten, wie lange ich die letzten Tage an der Auswahl der Textstellen gearbeitet habe, die ich vorlesen will. Was kann man in eineinhalb Stunden, inklusive Pause, präsentieren? Etappen aus dem ganzen Buch? Soll ich spoilern? Wie weit soll das gehen dürfen? Bei jedem Buch komme ich immer wieder an denselben Punkt und merke, dass ich immer besser damit zurecht komme.

19:20 h: Ich blicke auf. Habe gar nicht gemerkt, dass sich immer mehr Gäste eingefunden haben. Der Saal füllt sich. Der Wein lockert die Stimmung rasch auf. Gute Idee, die Getränke schon jetzt anzubieten! Ich gehe zu meinem Pult. Alles bereit. Soll ich ein Glas Whisky vorne hinstellen? Ich entscheide mich dagegen. Einige bekannte Gesichter winken mir zu. Nehmen Platz. Sind so begierig wie ich, zu erfahren, wie der Abend wird.

19:30 h: Kaum ein Stuhl ist frei geblieben. Unglaublich. Alle meine Erwartungen deutlich übertroffen! Die Gastgeberin eröffnet den Abend. Gespannte Stille herrscht im Raum. Die Laudatio übernimmt ein guter alter Freund, Bernd Weiler. Wunderbar, seine Worte zu hören. Ich bin gerührt. Doch nun muss ich ran: springe mitten rein und bewege mich wie ein Goldfisch im kühlen Teich. Bin in meinem Element. Spreche mit den Menschen, scherze, erkläre und steige in die Geschichte ein.

Die Stimmung ist wohlig warm. Ich sehe, wie die Menschen meinen Worten folgen. Jung wie Alt. Immer wieder muntere ich sie mit Fragen und kleinen Dialogen auf. Meine Sorge ist unbegründet, dass ich zu viel Text ausgesucht habe. Meine Gäste folgen willig meinen Ausführungen, erleben Johannes in seiner Frühphase des Romans, erleben das Werden der Tätergruppe inmitten von Zürich und reisen mit mir zurück nach Ravensburg zu Kommissar Plodowski. Er steckt unvermittelt mitten im aufziehenden Unwetter, voller Dunkelheit und Verbrechen. Bauer Alfons Gressler stirbt… Und dazwischen berichte ich mündlich immerzu in kleinen Zusammenfassungen, was zwischen den jeweiligen vorgelesenen Passagen und Kapiteln geschieht.

21:00 h: Ich muss die Lesung beenden. Es ist spät. Doch das Publikum hat viele Fragen. Journalist Jörg Wehrmann moderiert in gekonnter Weise eine anregende Gesprächsrunde. Und auch noch bis spät in die Nacht hinein, nachdem das letzte der vielen Bücher signiert ist, sitzen sie diskutierend, lachend und Wein trinkend beieinander.

Ich habe mir nun doch einen Whisky gegönnt und spüre, wie schnell er auf nüchternen Magen wirkt. Bin zufrieden und dankbar. So nah an seinen Lesern zu sein. So authentisch die Rückmeldungen, Gedanken und Anregungen zu erhalten. Das ist aller Anstrengungen wert! Ich wollte mit dem Roman Die Rache der Schwabenkinder vorsichtig und auf spannende Weise die Tür zu diesem Thema öffnen. Freue mich, wenn das ein wenig gelungen ist.

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